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Montag, 3. März 2014

Ev.- Luther. Kirche von Straßberg im Vogtland

    Foto von Hubert Schierl, im Februar 2014

Informationen zur Kirche (QUELLE: http://www.kirche-plauen.de/Strassberg Text.html):

1194 urkundliche Ersterwähnung des Ortes in einer Schenkungsurkunde datiert mit dem 18. März. Die Brüder Eckehardt und Heinrich „zu strazberc“ werden darin als Zeugen erwähnt. Auf dem heutigen Areal der Kirche befand sich eine Burg der Vögte von Strassberg.
1280 wurde die Burg bereits als „castrum destructum“ bezeichnet.
1576 wurde das jetzige Gotteshaus geweiht als Renaissancebau im Schlosskirchentypus.
Bauherr: Joachim von Reibold Patronatsherr auf Neundorf und Strassberg
Baumeister: unbekannt
Besonderheiten: Vorbild waren die protestantischen Hofkapellen der Wettiner
Saalartiger Raum, leuchtende Ockertonquaderung, flaches Kreuzgratgewölbe mit Gurtbögen. Das Ideal der Renaissance wurde hier in nahezu reiner Form verwirklicht: Einfachheit in Linie, Form und Proportion
Das massive Westwerk als Turm beherbergt auf 2 Etagen bemerkenswerte Räume.
  1. Etage: Eine barocke Patronatsloge mit figürlichen Stuckelementen, Wappen und zwei großen Wandgemälden, die die Geburt Jesu und die Himmelfahrt Christi mit Bibeltext zeigen. 1626 von Friedrich Wilhelm Franck aus Kahla gemalt.
  2. Etage: Drei Wohnräume mit schmiedeeiserner Eingangstür um 1576, Ornamentziegelfußboden aus der Erbauerzeit, kaminartige Feuerstelle, Kreuzgratgewölbe
Drei denkmalgeschützte Bronzeglocken
1673 von Hiob Breitinger: mittlere Glocke/Betglocke – 325 kg, 71 cm Durchmesser, Ton cis
1688 von Daniel Handel / Zwickau: kleine Glocke   –   100 kg, 59 cm Durchmesser, Ton E
1725 von Christoph Graulich / Hof: große Glocke   –   500 kg, 98 cm Durchmesser, Ton A
Ausstattung
  1. barockes Kruzifix, lebendgroß im Eingangsbereich
  2. Marienaltar um 1500, Hofer Werkstatt, mit Maria Magdalena, Mutter Maria und Johannes dem Täufer
  3. Orgel: zweimanualiges Werk1804 von der Orgelbaufirma Trampeli/Adorf i.V. gefertigt
  4. Klassizistischer Kanzelaltar und Orgelprospekt vom Adorfer Tischlermeister Pinder 1804
Seit dieser Zeit gibt es eine glückliche Symbiose zwischen Architektur, Akustik und Orgel.
1998 umfassende Orgelrestaurierung mit Pfeifwerk und Prospekt. Die Orgel befindet sich im Bestzustand mit ursprünglicher Klangfrische – jährliche Konzerte
1998 Innenrestaurierung: die originale Farb- und Putzfassung wurde unter späteren Farbschichten entdeckt. Wiederherstauung der ersten Farbfassung mit Ockerquaderung und schwarzen Beistrichen.
2005 Restaurierung des Renaussancedachstuhls und des Süddaches gemäß alter Handwerkskunst.
Die Straßberger Kirche ist ein kostbarer Renaissancebau. Das Gotteshaus gehört zu den ersten Dorfkirchen, die nach der Reformation im Freistaat Sachsen errichtet wurden.
Zur Dorfkirchgemeinde gehören etwa 400 Gemeindeglieder mit den Orten Kobitzschwalde, Unterneundorf, Strassberg und Possig. Straßberg liegt am Südrand von Plauen/Vogtland und gehört politisch zur Stadt Plauen

Vorfahren

von Hubert Schierl

Eigentlich war ich ja mal der Letzte in der Sippe der Schierls aus Woratschen in der ehemaligen Tschechoslowakei, die ganz früher mal Oesterreich – Ungarn war, dann als eigenständiger demokratischer Staat, mit dem Namen „Tschechoslowakische Republik“(mit ihrem legendären Präsidenten Tomas Mazaryk) existierte (eine zu damaligen Zeiten sehr moderne demokratische Republik übrigens), kurze Zeit gemäß dem „Nürnberger Abkommen“ widerrechtlich dem Deutschen Reich einverleibt wurde und nun zu Zeiten meiner Kindheit ein Sozialistischer Staat im Einflussbereich der großen Sowjetunion ist. Eben die „Tschechoslowakische Sozialistische Republik“ (CSSR): Der Großvater ist jedenfalls noch k.u.k (kaiserlich-königlicher) Obergefreiter oder Feldwebel gewesen oder zumindest so etwas ähnliches – ich kenne mich da nicht so aus, weil ich nie „gedient“ habe (jedenfalls kenne ich ein Foto, das ihn mit dem für solche Dienstgrade typischen Schnauzbart zeigt...). Er dient im Oesterreichischen Heer und ist gleichzeitig Einwohner der böhmischen Gemeinde Woratschen / Oracov im Mittelböhmischen Bezirk Podersam / Podborany, nicht weit weg von Prag. Verheiratet ist er mit Antonia, geb. Plohner aus der Nachbargemeinde Tschentschitz / Petersburg (Cerncice / Petrohrad) und die beiden fristen ein bescheidenes aber zufriedenes Leben in Woratschen. Sie haben ein kleines Häuschen, der Großvater verdient sich sein Geld im Sommer als Maurer, im Winter als Straßenmeister und die Großmutter hält den Haushalt in Ordnung und kümmert sich um die drei Kinder, Karl, Annemarie (genannt „Antsch“) und Eleonore (später „Lori“) , versorgt die Ziege, die Kuh des kleinen Mannes, und backt Brot. Nebenbei ist sie noch in der Mittelmühle in Arbeit. Und dann gibt es da noch eine Urgroßmutter, die ich naturgemäß nie kennen lernte, mit nur einem Auge, die im Leben meines Vaters wohl eine große Rolle gespielt hat.... So hat er es mir jedenfalls erzählt. Es soll eine behütete Kindheit gewesen sein, die der Bub Karl mit seinen Schwestern und seinen Freunden im Dorf erlebt hat. Ich kenne da Geschichten, die mich ahnen lassen, dass in den Kinder – und Jugendjahren von Karl „viel los“ war. Vor allem mit seinem Freund „Peppi“, dem Buben vom Mittelmüller mit dem schönen böhmischen Namen „Mrazek“, hat er viel erlebt. Und als die beiden sich im höheren Alter endlich wieder gefunden haben, bleibt kein Auge trocken vor Wiedersehensfreude und dem Erzählen alter Geschichten.

Aber jede Kindheit geht zu Ende und es kommt der Tag des Schulabschlusses auf der Bürgerschule in Jechnitz / Jesenice und damit der Beginn der Lehrzeit bei einem Bäckermeister Kuhn in Kriegern /Kryry, ein paar Dörfer weiter aber immerhin so weit weg von daheim, dass ein tägliches Heimkommen unmöglich ist. Und so muss der 15-jährige Lehrling beim Herrn Meister und der Frau Meisterin sein zuhause finden. Sicher ist es ihm schwer gefallen, die behütete Umgebung seiner Heimat aufzugeben, ist er doch mit Leib und Seele gern daheim in Woratschen. Der Rest der Lehrzeit ist schnell erzählt: Früh am Morgen aufstehen, Mehlsäcke schleppen, Teig kneten, Brot schieben und womöglich die fertige Ware auch noch ausliefern an die Leute, die sich das leisten können.
So mag es eine Erleichterung sein, als im Jahr 1938 das NS-Regime die „sudetendeutschen Gebiete“ dem „Reich“ einverleibt und plötzlich ist der Karl ein „Reichsdeutscher“ und alle Chancen stehen ihm offen. Er ist clever, lässt den Bäckerberuf saussen und geht zur Reichspost als Fernmeldemechaniker, wie man heute vielleicht sagen würde. Berlin ist das Ziel der Wünsche! Man stelle sich vor: Der junge Karl aus Woratschen im „Sudetengau“ ist plötzlich in der Reichshauptstadt mit ihren Millionen von Einwohnern !!!!! Dort wird er dann auch bald „eingezogen“ zur „Wehrmacht“. Mit Glück entgeht er als „Volksdeutscher“ der Einberufung zur „Waffen-SS“ und kommt zur normalen Truppe. „Nachrichtenregiment 40“ - lautet von nun an seine Feldpostnummer. Und dann geht es schon bald ab in den Krieg. Frankreich, Russland, Jugoslawien, wieder Frankreich – das sind grob seine Stationen kreuz und quer durch Europa, immer im Dienst eines verbrecherischen Systems. Aber er hat einen Eid abgelegt auf den „GRÖFAZ“, den „Größten Feldherrn aller Zeiten“. Und so heißt es denn durchhalten, fast bis zuletzt........
Zwischendurch ist aber mal Ruhezeit in Oelsnitz im Vogtland, für den Karl bis dato sicher ein „böhmisches“ (oder vogtländisches ???) Dorf............
Da ist er einquartiert – Privatquartier – bei der Familie Beissert in der Bachstrasse 23. Immerhin ist er inzwischen „Stabsgefreiter“ und da steht ihm ein solches Quartier wohl zu. Interessant ist nur, dass nebenan eine Familie Passolt wohnt und es da eine hübsche Haustochter im Alter von niedlichen 20 Jahren gibt. Der lohnt es wohl, den Hof zu machen und ab und an mal ein Blümchen vorbei zu bringen. (Ei, 30 Jahre später habe ich selbiges an ganz anderer Stelle auch getan!!) So ergibt eins das andere, aus Karl und Elisabeth wird zunächst ein Braut- und später 1943 ein Ehepaar. Einzelheiten deckt der gnädige Mantel der Geschichte zu..............

Immer noch ist Krieg und keiner kann wissen, ob Karl wieder lebendig und gesund aus diesem zweifelhaften Abenteuer zurück kommt. Die beiden haben es trotzdem riskiert. Am Ende geht es gut, der Karl entlässt sich
selber in Wuppertal aus der Wehrmacht, fährt mit einem „requirierten“ Fahrrad von dort aus quer durch alle Front- und Besatzungslinien „heim“ nach Oelsnitz, um dort mit seiner Elisabeth eine Bäckerei in der Georg- später Walther -Rathenau – Str. zu betreiben, die aber letztendlich auch enteignet wird, da die Elisabeth Flüchtlinge ohne Lebensmittelkarten durchfüttert. Dort riskiere ich im Jahr 1948 meine ersten Blicke in die damals gar nicht so unkomplizierte Welt. Es ist Nachkriegszeit, den Leuten geht es nicht so gut und letztlich habe ich Glück, dass es Verwandte in Amerika gibt, die ab und an Pakete mit Lebensmitteln schicken.So werde ich groß und stark und bin nun in Oelsnitz daheim. Vater ist kein Bäckermeister mehr, sondern geht bei der Reichsbahn auf dem Bauzug seiner Arbeit nach, was bedeutet, dass ich ihn nur an einem Tag in der Woche mal kurz sehen kann. Sonst ist er unterwegs in „Klein-Texas“ im Erzgebirge bei Johanngeorgenstadt, wo die „Wismut“ wütet und Uran abbauen lässt für Stalins Atombombe. Der Wahnsinn soll ja weiter gehen – 50 Millionen Tote sind noch lange nicht genug........
Gleise abbauen, um die Schienen in die Sowjetunion zu bringen als Reparationsleistung und gleichzeitig Gleise neu verlegen, um die abgebauten Bodenschätze in eben jenes Land zu bringen wie man mir erzählt hat, sogar teilweise in russischer Breitspur um das leidige „Umspuren“ in Brest-Litowsk zu vermeiden. Den Rest meiner frühen Kindheit verbringe ich mit der Mutter und bis 1954 mit der Oma Katharina, genannt „Linna“ , die mich in die biblischen Geschichten einführt und mir tolle Geschichten von Jesus und seinen Freunden erzählt. Es folgt meine Schulzeit, ohne Pionierhalstuch, entgegen dem damaligen Brauch. Auch der „Freien Deutschen Jugend „ (FDJ) will ich nicht beitreten und versuche, meinen Weg außerhalb der gültigen Normen zu gehen. Selbst als ich in der 9.Klasse der Schule verwiesen werden soll, weil ich nicht „konform“ gehe, riskiere ich das mit Hilfe meiner Eltern, die treu zu mir halten und kann letztendlich wenigstens die „Mittlere Reife“ ablegen, die mich dazu berechtigt, ein Fachschulstudium aufzunehmen.
Und da bewahrheitet sich die alte Weisheit: Wer zu Gott Ja sagt, zu dem tut er es auch!